< zur Übersicht
 
 
   

mehr als genug
Malerei

16. September – 23. Oktober 2005

   
 

Teilnehmende Künstler:
Michael Growe (Köln)
Timo
Kube (London)
Daniela
Löbbert (Münster)
Ralph
Merschmann (Köln)
Achim
Reimann (Düsseldorf)
Georg
Schmidt (Köln)
Beate
Spalthoff (Berlin & Annenwalde/Uckermark)

   
   
 

mehr als genug ist das Ergebnis einer neugierigen "malerischen" Kuratorentätigkeit, eine Ausstellung mit Bildern von sieben Malerinnen und Malern. Ihre ungegenständlichen Gemälde oder wiedererkennbar Gegenstände & Räume andeutenden Bilder vermeiden die konstruierte Räumlichkeit nach Perspektivregeln. Sie umspielen und kultivieren die Fläche. Bildräumlichkeit entsteht malerisch als Vorstellung und lässt Wirklichkeit erahnen. Auch so gesehen bietet Malerei mehr als genug.

 
   
       
Ralph Merschmann (*1963)
 
   
 

18.08.04
Acryl auf Leinwand
60 x 60 cm
2004

   
       
  Timo Kube (*1977)
 
   
 

“Vorhang I”
Öl auf Leinwand
125 x 195 cm
2004

 
   
       
Daniela Löbbert (*1979)
 
   
 

o.T.
Öl auf Leinwand
60 x 80 cm
2004

   
       
Georg Schmidt (*1962)
 
   
 

“TABLE TOP”
Öl auf Leinwand
140 x 170 cm
2005

Foto:
Alistair Overbruck

     
       
Beate Spalthoff (*1957)
 
   
 

“Still I - III”
Acryl, Bleistift auf Leinwand
je 60 x 30 cm
2004

     
       
Achim Reimann (*1964)
 
   
 

o.T.
Öl und Alkydharz auf Leinwand
38 x 46 cm
2004
 
     
Michael Growe (*1960)
 
     
 

“La Chasse au météore”
Leimtempera, Wachs und Öl
auf Sperrholzchassis
170 x 105 cm
2004

Foto:
Alistair Overbruck

     
   
  Die reduzierte Komposition der Bilder von Michael Growe zeigt seine Konzentration auf delikate Farbgebung: durch das Auftragen und Schleifen von Leimfarbe entsteht eine lebendige Struktur mit einer Farbräumlichkeitstiefe, die im Widerspruch steht zur faktischen Glätte der Oberfläche. Das in der Schwebe belassene Verhältnis von Innen- und Außenform lädt zur Meditation darüber ein, inwieweit Wahrnehmung verinnerlicht werden kann: “Auge = Organ der Wandlung, darin der Gegenstand der Wahrnehmung zum Zustand des Wahrnehmenden wird. Der zum Zustand gewordene Gegenstand ist erinnerte Schöpfung. Eben dieser Zusammenhang ist es, der das Wirken des Organs der Wandlung charakterisiert.” (Hugo Kükelhaus)
   
 

Die zugleich konkreten und gegenständlichen Gemälde von Timo Kube unterlaufen die Erwartung des Betrachters, partiell entdeckte Gegenständlichkeit im ganzen Bild wiederzufinden. Die Welt erscheint z.B. nur als Farb- und Lichtphänom hinter einer bildfüllenden Gardine. Sie ist nicht als ein Ding im Raum neben anderen dargestellt, sondern wird zur Projektionsfläche für Malerei. Inspiriert ist der Künstler u. a. von der verstörenden Überlagerung von Filmillusion und Realitätswahrnehmung.
“Als ich das Drama unerfüllter Liebessehnsucht "2046" von Wong Kar Wei mit seinen bestechend malerischen Bildern in einem der Kinos im Londoner Barbican Centre sah und ich anschließend ganz benebelt den Saal verließ, gab es kein zurück mehr in die Welt, aus der ich vor dem Kinobesuch gekommen war. Der gesamte Gebäudekomplex, einst als utopische Kultursphäre erbaut, erschien mir in seinem inzwischen veraltet anmutenden Intérieur der späten 70er Jahre als Inkarnation der eben noch erlebten Filmwelt. Die roten Teppiche, die furnierten Treppen, die Messingbeschläge an den Schwingtüren und Fenstern, ewig lange, bogenförmig verlaufende Korridore - ein perfekter Ort psychodelischer Projektion. Es war, als wachte ich aus dem Traum Wong Kar Weis auf, um zu bemerken, dass alles immer noch so war, wie ich diesen, seinen Traum miterlebt hatte. Ich hatte den Film nicht verlassen und ich konnte ihn auch nicht verlassen, so stark war der Eindruck, dass die zwei Welten ineinander überzugehen schienen.
... Artefakte in die Welt zu setzten ist immer wieder der Versuch die Realität im Bezug auf meine Wahrnehmung und meine Existenz zu prüfen... Bei meinen Arbeiten habe ich das Gefühl, dass der Betrachter mit einer Art Phänomen konfrontiert wird. Dieses Phänomen ist im Ganzen unvermeidbar - weil es existiert. Es tritt durch einen Rhythmus, durch eine bestimmte Materialität oder seine Bildsprache in Erscheinung.
Wenn ich einen in realer Größe gemalten Vorhang präsentiere, beobachte ich die unmittelbare Beziehung zu den formalen Aspeketen der Architektur, in der das Bild ausgestellt ist. Das Bild manipuliert die realen Gegebenheiten in der gleichen Weise, in der das Bild durch die Umgebung manipuliert wird. Ein gemaltes Bild hat den Character eines konkreten Objektes, obwohl das Motiv eine Illusion ist...
...Phänomene sind diese Bilder. Sie sind - das schweigende Gegenüber, dass an die Unsicherheit der Wahrnehmung erinnert...” (Timo Kube)

   
  Daniela Löbbert verspricht auf den ersten Blick mit ihren monochromen Formen Gegenständlichkeit. Die Dinge sind jedoch als fehlfarbene, modifizierte Silhouetten dargestellt und spannungsreich im Bildraum platziert. Das erhöht die Rätselhaftigkeit des im Ursprung banalen Alltagsgegenstandes und steigert die Autonomie der Farbflächen als Malerei. “Bei den Malereien handelt es sich um Bilder von Objekten bzw. Gegenständen; Gegenstände, wie wir sie aus unserem Alltag kennen. Kartons, Boxen, Container, Mixer etc. Sind diese Gegenstände Anlass für meine Bilder, dann nicht um sie naturgetreu abzubilden. Wenn ich die Silhouette eines Schwamms male, so nicht um einen Schwamm zu malen, sondern um im Bild einen neuen Gegenstand, eine neue Gegenstandswirklichkeit zu schaffen. Es entstehen Formen, die etwas Konkretes darzustellen scheinen, diese Erwartung bei genauerem Hinsehen aber nicht erfüllen. Die Formen sind nicht zwangsläufig als konkrete Gegenstände identifizierbar, sind aber mehr, als ungegenständliche Farbflächen auf der Leinwand.” (Daniela Löbbert)
   
 

Ralph Merschmann setzt das Verhältnis von gemaltem Muster und gemusterter Malerei ins Bild. Seine merkwürdig präzisen Juwelenbilder und seine psychedelisch angehauchten Punktrasterbilder mit Verlaufsspuren sind komplexe Gebilde mit behutsam austarierten, sich gegenseitig steigernden Farbwerten.
“Im Mittelpunkt meiner Arbeit als Maler steht die Auseinandersetzung mit ornamentalen Bildstrukturen und Farb-Flächen-Rastern, die sich zwischen Regelhaftigkeit und Individualität bewegen. Dabei interessiert mich der Augenblick, in dem das Kalkulierte der Komposition (Schichtung, Reihung, Farbverteilung) seine Strenge und Eindeutigkeit zu Gunsten visueller Komplexität und vielgestaltiger Interaktion verliert. Anders gesagt, geht es in meiner Malerei um Strategien der Analyse und Synthese, die nicht etwa aus der freien malerischen Handlung erfolgen, sondern auf der Basis einer systematisch entwickelten, verfahrensorientierten, modularen Bildsprache erprobt werden. Ausgehend von solchen Parametern der Komposition gilt mein Interesse jener heiklen Balance von Setzung / Entgrenzung bzw. Ordnung / Chaos, die meines Erachtens - zu Zeiten fortschreitender Fragmentierung von Wissen, Information, Darstellung und Geometrie - besondere Relevanz als Instrument der Erfahrung / Erkenntnis beanspruchen darf." (Ralph Merschmann)

   
 

Achim Reimann thematisiert das Phänomen Augentäuschung. Ein Teil seiner extrem dick und punktuell aufgetragenen Farbmassen wirkt z.B. wie echte Kartoffeln. Bei anderen Bildteilen wird der Betrachter jedoch auf die Materialität der Farbe, auf das ‚Gemacht-Sein’ zurückgeworfen, und auf die Erkenntnis, dass Malerei vor allem Farbe auf einem Untergrund darstellt. Man sieht zugleich barocke Stillleben und radikale Malerei. “Im Grunde gleiche ich Materialität der Farbe dem an, was ich male. Das Illusionäre in der Malerei versuche ich zu eliminieren. Ich habe das Gefühl, der Sache damit mehr auf den Grund zu gehen, als die Dinge nur von außen wahrzunehmen. Farbe ist für mich immer noch ein Mittel um Strukturen sichtbar zu machen und somit ein Vehikel des anderen Sehens.” (Achim Reimann)

   
  Georg Schmidt malt zarte, nuancenreiche Farbfelder. Die zahlreichen, dünnen Ölfarb-Lasuren steigern Farbtiefe und -kontrast, erzielen aber keine plastische Illusion. Die Räumlichkeit nutzt gekonnt die Wirkungsmöglichkeiten von Farbmalerei. Die malerisch gewachsenen, schwungvollen und doch stabil ausbalancierten Formen erinnern vage an Gegenstände oder Situationen. Die vorstellbaren Farbräume verändern sich in einer ruhigen, langsamen und unabschließbaren Bewegung. Farbwirkung und -erscheinung wird als gedehnte Zeit erfahrbar. “Wenn die Sprache hinkt, denkt das Bild.” (Georg Schmidt)
   
  In den Arbeiten von Beate Spalthoff sind die dargestellten Dinge des alltäglichen Gebrauchs wie Monitore, Tastaturen, Kühlschränke, Regale und Badewannen frontal (oder aus der Vogelperspektive) leicht verkantet ins Format gesetzt. Auf diese Weise scheinen sich äußere Gegenstandsform und Bildformat gegenseitig zu tarnen. Die von Spalthoff dünn lasierend aufgetragene Farbe wirkt wie gewebt. Dadurch tut der darunterliegend mit Bleistift gezeichnete Gegenstand so, als versinke er im Bildgrund oder tauche daraus hervor. “...und flutsch – da ist das Unbedingte !” (Beate Spalthoff)
   
       
 

Eröffnung: Freitag, 16. September um 20 Uhr

 
 

Foto© bei den KünstlerInnen und Elly Valk-Verheijen; Eröffnung: Reinhild Kuhn
Organisation: Christoph Bangert | Willi Otremba | Elly Valk-Verheijen
unterstützt von Tischlerei Christof Pape und Mercedes Benz Niederlassung Dortmund