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Alles im grünen Bereich

12. Oktober bis 11. November 2007

   
   
Eröffnung: Freitag, 12. Oktober 2007, 20 Uhr
   
     
 

Teilnehmende KünstlerInnen:

Harald Finke, Hamburg
Jennifer Halfpap, Hamburg
Karin Hilmar, Gelsenkirchen
Astrid Korntheuer, Offenbach
Katerina Kuznetcowa, Münster
Ilka Meyer, Berlin
Stephan Reusse, Köln
Stephanie Senge, München
Sandra Voets, Düsseldorf

 
   
   
 
 

Eröffnung, 12. Oktober

     
 

Die Ausstellung befasst sich mit künstlerischen Positionen die einen Bezug zu "Natur" im weitesten Sinne haben.

Der Begriff "Natur" (lat.: natura, von nasci "entstehen, geboren werden") wird in verschiedenen Gesellschaften und oft auch innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich und teilweise widersprüchlich verwendet.
Unter Natur wird heute im westlichen Kulturkreis im allgemeinen das verstanden, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Hier unterscheidet man zwischen belebter Natur (z.B. Pflanzen und Tiere) und unbelebter Natur (z.B. Steine, Flüssigkeiten, Gase). "Natur" wird als Gegenbegriff zu "Kultur" verstanden.

Im Rahmen der Ausstellung wird mittels bildnerischer Medien thematisiert, dass die Natur sich seit dem 19. Jahrhundert langsam zum "Produkt" entwickelt hat, vom Menschen soweit manipuliert und beeinflusst, dass sie ihrer "eigentlichen Natur" völlig verlustig gegangen ist.  Es wird heute als absolut normal betrachtet, dass man etwas "natürliches" künstlich generieren kann und dass etwas "künstliches" natürlich erscheint.
Die Verwischung der Grenzen zwischen Natur und Kultur ist längst eine allgemein akzeptierte Tatsache.

Die ausgewählten KünstlerInnen untersuchen aus verschiedensten Blickwinkeln das Verhältnis Mensch - Natur. Sie analysieren die Verschmelzungspunkte von Natur und Kultur, vom Natürlichen und Künstlichen.

 
 
 
 
 

 

 
  Harald Finke  
 
 
 
 
 
 

Das scheinbar Undenkbare, die Kommunikation mit Pflanzen, wird im Kunstkontext mit PflanzenSchrift und Parallelzeichnung praktiziert. In diesem Bereich, in dem der Kunstschaffende, so wie der Betrachter, erst einmal außerhalb der Bedeutungssysteme steht, erhalten Pflanze und Mensch mit dem Projekt PflanzenSchrift - Parallelzeichnung ein Forum, auf dem sie sich jeweils mit bisher unbekannter Art und Weise einbringen können. Es ergeben sich Pflanzenreaktionen auf das, was der Mensch auf seiner Seite an Kommunikationsangeboten entwickelt.

 
 
     
  Jennifer Halfpap  
 
   
   
 

 

Pflanzen - was ist das eigentlich? Nahrungsmittel, Schattenspender, Baumaterial, Dekoration, lebenswichtiger Sauerstoffspender?
Schon als Kind interessierte ich mich für solche Phänomene. Den Dingen auf den Grund gehen konnte ich   erst in meinem Biologiestudium – dort begeisterte mich nicht nur der Aufbau und die Lebensweise der Pflanzen, sondern besonders die Farb- und Formgebung. Mein Kunststudium eröffnete mir dann die Möglichkeit, die Biologie von einem künstlerischen Blickpunkt aus zu sehen und eine Synthese von Kunst und Natur zu versuchen.
Jede Pflanze besitzt nicht sichtbare Wurzeln für die Verankerung im Boden und die Nährstoffaufnahme. Gleichzeitig sind die Wurzeln auch ein ästhetisches Erlebnis, dem ich einen geeigneten Rahmen geben möchte.

 
 
     
Karin Hilmar  
 
 
 
   
 

aus der Serie "Molluske"
Thema meiner künstlerischen Arbeit ist der Bereich, in dem sich Natur und Kunst überschneiden.
In der Anlehnung an und der Erfindung von möglicherweise natürlichen Formen, entstehen Plastiken, die mittels der verwendeten Materialien - vor allem Silikon und Polyesterharze - einen vollständig künstlichen Charakter erhalten.
Es geht mir dabei nicht um das Abbild von natürlichen Phänomenen, sondern um die Suche nach einer Formensprache, die Bezüge zu natürlichen Formen enthält und durch Verfremdung in einen neuen Zusammenhang gestellt wird.
Das Spannungsfeld zwischen diesen wesentlichen Aspekten meiner Arbeiten wird in immer anderer Weise untersucht und definiert, und mit unterschiedlichen Mitteln - Einfärbung der Materialien in leuchtenden Farben, Verwendung von Leuchtmitteln und Veränderung von Alltagsobjekten - forciert.
Fast alle Plastiken entwickeln eine spürbare körperliche Präsenz, sie umschließen als Hüllen einen Innenraum. Der Aspekt der Hülle als Haut um einen Körper wird vor allem an den Silikonformen deutlich, die, aufgeblasen, auf jede Berührung reagieren.
Durch den Gegensatz von Form und Material wird die Wahrnehmung der Plastiken gebrochen; balancierend an einer dünnen Grenzlinie offenbaren sie in der Betrachtung mal ironische, mal leicht perverse oder manchmal fast poetische Facetten.

   
     
Astrid Korntheuer  
 
 
 
 
 

aus der Serie "Paintings"
Die Idylle wird für den Betrachter zum Verhängnis. Nicht nur, dass man in vielen Bildern kaum den Boden wahrnehmen kann, auf dem man sicher stehen könnte. Die Zweige und Äste werden zu undurchdringlichen Vorhängen. Wo man Idylle erwartet, ist kein Durchkommen. Die doch sonst so, wie wir immer wieder meinen, 'nette' Natur wird zur undurchdringlichen Mauer, die um so abweisender wird, je mehr man sich auf das Licht-und-Schatten-Spiel Astrid Korntheuers einlässt - auf das verheißungsvolle Licht und die Tiefe, die ihre Inkjetprints so bestechend wiedergeben. Sie benutzt die verschiedenen Farbwerte und den Kontrast in ihren Bildern wie in einer Orchesterkomposition um einen Gesamteindruck zu formen, der ins Universale zielt und mit dem sie unser feines Empfinden für diese Sphäre umso gezielter trifft. Er kommt dem Hinauswurf aus dem Paradies gleich. [nach Thomas Poller, April 2006]

   
     
Katerina Kuznetcowa
 
 
 
 
 

 

„Sieben  Pariser Yuccas“ :
Eine trockene Yuccapalme, die ich in Paris auf der Straße gefunden habe, habe ich in sieben kleinen Segmenten geteilt und sie eingepflanzt. Die Yuccapalmen, die riesig und sperrig in den Wohnungen großwachsen, werden oft auf die Straßen weggestellt. Mit meiner Aktion rette ich die Pflanze und mache aus einen alten, zum Sterben verurteilten Lebewesen mehrere attraktive Pflanzen, die man gerne bei sich zu Hause hat. Die Arbeit ist von mir dokumentiert und parallel zu Pflanzen sind auch Photos über die Aktion ausgestellt. Durch die Kombination von großformatigen Drücken und Pflanzen hat der Besucher die Vorgeschichte, Aktion und Ergebnis zu sehen und zu erleben.

   
   
     
  Ilka Meyer  
 
   
   
 

 

Flechten sind Symbiosen aus Pilzen und Algen. Die Art, die ich für die Arbeit benutze, bildet an der Unterseite eine Haut aus, mit der sie sich an Mauern andockt. Nasse Flechten quellen auf, aus orange wird grün und sie lösen sich vom Untergrund. Trocknen sie wieder, ziehen sie sich zusammen und haften fest auch an sehr glatten Oberflächen. Sie sind dann wieder orange.

 
 
     
Stephan Reusse  
 
 
 
   
 

Meine Arbeiten beschäftigen sich mit Wahrnehmung und Erinnerung.
Diese Installation richtet ihren Blick auf Mäuse, welche des Nachts die Gebäude beherrschen. Ein Laser projeziert mit einem Lichtstrahl die Bewegungsspuren und Silhouetten der Tiere auf die Wände.
Die Formen entstanden aus der Analyse von Infrarot Videoaufzeichnung von Mäusen, die hier schemenhaft wiedergegeben werden. Die entstandenen Bewegungsmuster und Formen sind ein Resultat von Realfilm und Animation und werden durch ihre natürlich hektischen, ängstlich-vorsichtigen Bewegungen charakterisiert.
In dem Moment, wo man meint sie zu sehen, manifestieren sie sich schon in der Erinnerung. Die Erinnerung baut auf Grund der Erfahrung eine Maus auf aber man sieht sie nicht, weil sie nicht da ist.  Es waren nur ein paar vorbeigehuschte Spuren von Linien, welche in ihrer teilweise abstrakten Zeichenhaftigkeit eben nur eine Realitätsebene in unserer Erinnerung wiederspiegelt.

   
     
Stephanie Senge  
 
 
 
 
 

links: aus der Serie "Diary"
Von August bis Dezember 2005 habe ich bei Sensee Yukiko Yanase die japanische Blumensteckkunst des Ikenobo Ikebana erlernt, Freestyle und Shoka. Die von meiner Lehrerin ausgesuchten Blumen beschreiben die für die jeweilige Jahreszeit besonderen japanischen Blumen.
In meinem Atelier baute ich das frisch erlernte Ikebana nach und ergänzte es mit Dingen aus meinem momentanen Lebensumfeld.

rechts: aus der Serie "100 Yen Shop Ikebana"

   
     
Sandra Voets
 
 
 
 
 

 

Der Raum fungiert als Sammel- und Aufbewahrungsort für Pflanzen und Organisches aus der Seegeniederung. Im Laufe des Jahres wird in Abständen wiederholt nach Blumen, Pflanzen und anderem Organischen gesucht und im Kühlregal gelagert. Durch mehrmaliges Abtauen und Einfrieren entsteht eine spezielle Struktur, die sich deutlich von der einmalig eingefrorener Gewächse unterscheidet. Bei dem Projekt geht es nicht um eine biologische Sammlung, bei der jede Pflanze einzeln und im Detail erkennbar bleibt. Deshalb sind das Sammeln und Finden, Abtauen und wieder Einfrieren ein ergebnisoffener Prozess. Der Zeitraum von zwölf Monaten bietet sich dafür an, denn so dokumentiert die gefrorene Sammlung ein ganzes Jahr. [Westwendischer Kunstverein e. V. zur Installation „Des Grafen Wunderkammer" von Sandra Voets]

   
   
 

Einladungskarte ©:
Abbildungen
©: die KünstlerInnen

Organisation: Ulrike Stockhaus | Elly Valk-Verheijen | Ulrich Weber

unterstützt durch: Sparkasse Dortmund, Kulturbüro der Stadt Dortmund, Gesellschaft zur Foerderung der Westfälischen Kulturabeit (GWK), Brinkhoffs Brauerei