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Unwille

28. November 2008 bis 18. Januar 2009

   
   
Eröffnung: Freitag, 28. November, 20 Uhr
Öffnungszeiten: Do - So, 16 - 19 Uhr,
geschlossen: 22.12. - 7.1.

   
     
 

Teilnehmende KünstlerInnen:

Diana Artus (Berlin), Till Gathmann (Leipzig), Andre Greif (Leipzig), Eiko Grimberg (Berlin/Leipzig), Freya Hattenberger (Amsterdam), Matthias Hennig (Leipzig), Claudia Lindner (Dortmund), Regine Müller-Waldeck (Leipzig), Peter Simon (Köln), Manuela Zechner (London)

   
   
 
 

 

     
 

Der Begriff Unwille bezeichnet eine Abwesenheit von Willig-Sein, Sich-Unterwerfen kann aber auch als Abwesenheit von Begehren, Absicht oder Ziel, die den Willen auszeichnen, gelesen werden. Der Unwille zeichnet sich im Gegensatz zum Willen häufig durch ein anfangs ungeplantes Vorgehen aus, dass sich später zu einem Plan entwickelt als Widerwillen und Widerstand entfalten kann.
Wer etwas wirklich will, der schafft es auch, ist eine häufige Meinung. Ein ausbleibender Erfolg bzw. ein Scheitern in den Dingen (auch bei tatsächlich investierter Anstrengung) ist also nach dieser Logik nur aus einem tief sitzenden persönlichen Unwillen erklärbar - letztlich habe der Versagende es eben „nicht anders gewollt“. So kann der Unwille zu einem persönlichen „Problem“ werden, oder auch zur persönlichen Freiheit, je nachdem welche Maßstäbe man setzt.
Eindrückliches Beispiel für den Unwillen ist die Parole „Ne travaillez jamais.“ (Niemals arbeiten), die im Frühjahr 1953 an eine Pariser Mauer gemalt von den Situationisten 1963 in ihrer Zeitschrift programmatisch veröffentlicht wurde. Um einen ähnlichen The-menkomplex dreht sich Mladen Stilinovics Artist at work (1978), eine Reihe von Fotografien, die den Künstler bei der Arbeit, d.h. im Bett liegend zeigen. Er veröffentlichte auch das Manifest The Praise of Laziness (1993), in dem er westlichen Künstlern vorwirft, zu viele Aktivitäten zu entfalten.
An diese inzwischen kunstgeschichtlich abgesicherten Arbeiten soll eine Ausstellung, die Positionen junger KünstlerInnen zeigt, anknüpfen. Diesen Positionen ist gemein, dass sie größtenteils an den romantischen Konzeptualismus anschließen, oft einen sowohl poetischen als auch konzeptuellen Zugang erlauben. Die KünstlerInnen wurden aufgrund ihrer künstlerischen Positionen angefragt, bis auf wenige Ausnahmen neue Projekte zu entwickeln.

 
 
 
 
 

 

 
  Diana Artus  
   
   
 
 

  Diana Artus (Berlin), die sich derzeit im Rahmen eines Stipendiums in New York aufhält, stellt für die Ausstellung eine neue Arbeit her, die sich um den Satz dreht: We have no patience for utopian thought. Dieser Satz wird mit Klebeband auf eine Wand aufge-bracht, darum gruppiert Diana Artus Fotografien von urbanen Situationen, die ebenfalls mit Klebeband überklebt werden.  
 
     
  Till Gathmann  
 
   
   
 

 

Till Gathmann (Leipzig) umkreist in seiner Arbeit die Geschichte des italienischen Architekten Guiseppe Terragni. Terragni, der sich als Vertreter des Razionalismo und als glühender Faschist um die Gunst Mussolinis bewirbt, trifft letztlich jedoch auf dessen Unwillen, die Moderne gegen den monumentalen Klassizismus auszuspielen. Anhand des 1937 erbauten faschistischen Kindergartens in Como verbindet eine Diaprojektion den Kampf um die richtige faschistische Ästhetik mit der Disziplinierung der Kinder.

 
 
     
Andre Greif / Matthias Hennig  
 
 
 
   
 

Das Künstlerduo Andre Greif / Matthias Hennig (Leipzig) nimmt sich der situationistischen Parole Ne travaillez jamais! (Niemals arbeiten!) an. In einem Video sieht man sie diese Parole an eine Wand schreiben und danach wieder abwischen. Der in dieser Arbeit zum Ausdruck gebrachte Unwille wird durch die 3-D Animation Barrikade dahingehend vorangetrieben, dass sich hier der aus dem Unwillen gespeiste Widerstand formuliert. Beide Arbeiten beziehen sich auf die Involvierung der Situationistischen Internationale in die Kämpfe im Pariser Mai, 1968.

   
     
Eiko Grimberg  
 
 
 
   
 

Eiko Grimbergs (Berlin/Leipzig) Installation Madwoman in the Attic erzählt von Ida Stieglitz Heimann, die beschloss, nicht mehr aus dem Bett aufzustehen. "Was ich beobachten konnte war und ist, dass das Wort verrückt immer der Mehrzahl gehört und dort soll es auch bleiben. Verrückt trifft niemals auf den einzelnen zu. Und es ist übel, wenn der einzelne, die einzelne Figur, die einzelne Person, diesem Wort verrückt, das der Mehrzahl gehört, aufsitzt und das für sich in Anspruch nimmt. Ich mag nicht die Mehrzahl, ich mag den einzelnen. Und jetzt und jetzt und jetzt."

   
     
  Freya Hattenberger  
 
   
   
 

 

Freya Hattenberger (Amsterdam) zeigt die zwei-kanalige Videoinstallation Pretty Girl (2007), in der es um Machtverhältnisse und Rollenverständnisse, die sich oft in Geschlechterklischees spiegeln, geht. Die Künstlerin performt eine Situation, die sie beobachtet hatte: Jemand gibt Anweisungen an ein Pretty Girl, sich in einer bestimmten Art und Weise vor einer Kamera zu verhalten. Hattenberger dreht diese Situation um, indem sie diese Anweisungen im Rahmen einer Performance den Passanten aus dem Galerieschaufenster zuruft. Sie thematisiert damit die Mischung aus Willen und Unwillen des Pretty Girl, als solches angesprochen zu werden.

 
 
     
Claudia Lindner  
 
 
 
   
 

Die Fotografin Claudia Lindner (Dortmund) hat in den letzten Jahren Menschen fotografiert, die verschiedene Körperhaltungen und Gesten einnehmen. Diese Gesten speisen sich aus dem Repertoire des zeitgenössischen Tanzes, aber auch aus Alltagshandlungen; sie wirken gleichzeitig vertraut und fremd. Aus dieser Sammlung wählt sie die Portraits eines Mannes und einer Frau aus, die einem Ausdruck von Unwillen nahe kommen.

   
     
Regine Müller-Waldeck  
 
 
 
 
 

Regine Müller-Waldeck zeigt ihre neuen installativen Arbeiten Plum, Ich glaube, es ist überwunden, sie zeigt Interesse an ihrer Umgebung und Länge 90 min. Plum (siehe Abbildung) bringt die glänzende Oberfläche zweier runder Formen in Kontrast zu der unbearbeiteten Alustange, an der sie angebracht sind. Auch die anderen beiden Arbeiten verweigern sich einer einfach wiedererkennbaren Formgebung - sie haben so Müller-Waldeck "vor allem mit einer lapidaren Passivität und mit Unverbindlichkeit im persönlichen Zwischenmenschlichen zu tun."

 

     
Peter Simon  
 
 
 
 
 

Peter Simon (Köln) bezieht sich in seiner Installation auf Bartleby der Schreiber, (1853) eine Romanfigur von Herman Melville, Autor von Moby Dick. Bartleby entzog sich den Aufträgen seines Arbeitgebers konsequent mit den Worten Ich möchte lieber nicht. Auf einem Tisch steht eine elektrische Schreibmaschine, ein Stoß Papier, eine Lampe. Die elektrische Schreibmaschine erzeugt Schreibgeräusche als ob sie von Geisterhand bedient werden würde. Aus im Raum installierten Lautsprechern erklingt ein Windrauschen, das jedoch den Papierstoß nicht hinfort trägt.

 

     
Manuela Zechner  
 
 
 
   
 

Manuela Zechner (London) fragt KünstlerInnen nach deren zweiten Leben, in dem sie neben der Kunstproduktion ihren Lebensunterhalt verdienen (müssen), häufig im Kreativbereich. In diesem zweiten Leben interessiert Zechner vor allem der Unwille, gestalterische Arbeiten auszuführen, die zwar dem Lebensunterhalt dienen, aber mit dem eigentlichen Interesse des Künstlersubjekts wenig zu tun haben. Sie fragt nach Jobs und Aufträgen, die von den KünstlerInnen abgelehnt wurden, und wird die Antworten im Rahmen einer Audioinstallation präsentieren.

   
   
 

Einladungskarte ©:
Abbildungen
©: die KünstlerInnen

Konzept:
Francis Hunger
Organisation: Francis Hunger u.a.

unterstützt durch: Sparkasse Dortmund, Kulturbüro der Stadt Dortmund